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Die Binats-Gruppe in Baden-Württemberg

von Christoph Andres, Sprecher der Binats-Gruppe Stuttgart

Unsere Gruppe für schwule und lesbische binationale Paare in Baden-Württemberg ist sehr jung und steht noch auf wackligen Beinen. Über die Binats-Gruppen in Köln und in Frankfurt sowie nach der Gründung des LSVD-Landesverbandes Baden-Württemberg, hatten sich immer wieder Betroffene gemeldet, die dann auf Initiative des LSVD Ende März 1999 alle zu einem ersten Treffen in Stuttgart eingeladen wurden.

Es zeigte sich, daß für eine Binationalen-Gruppe großer Bedarf bestand, denn bisher gab es in Baden-Württemberg keine "Anlaufstelle" für binationale gleichgeschlechtliche Paare. Das Bedürfnis nach Informationen, Unterstützung und Erfahrungsaustausch zwischen den Binats-Paaren aber auch an einem "geselligen Rahmen" ist hier recht groß.

In Baden-Württemberg gibt es große lokale Unterschiede in der Behandlung binationaler schwuler und lesbischer Paare durch die Behörden. Während aus dem Regierungsbezirk Karlsruhe positive Entscheidungen zu Aufenthaltsgenehmigungen bekannt sind, kommen aus den anderen drei Regierungspräsidien regelmäßig nur ablehnende Bescheide. Selbst von Ausländeramt zu Ausländeramt wird man sehr unterschiedlich behandelt und wenn man von den so widerspüchlichen Erfahrungen verschiedener Paare hört, bekommt man leicht den Eindruck von Willkür und Ungerechtigkeit.

Leider ist es in Baden-Württemberg immer noch so, daß die größte Hoffnung von uns Binats in einer bundesweiten Regelung liegt, die unsere Landesbehörden endlich dazu zwingen, den Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts und des OVG Münster Rechnung zu tragen. Hier, wie natürlich überall in Deutschland, hoffen wir, daß die rot/grüne Bundesregierung endlich zu ihrem Wort steht und mit einem Gesetz zur eingetragenen Lebenspartnerschaft unserer Angst ein Ende setzt, daß unsere Liebesbeziehungen durch staatliche Gewalt auseinandergerissen und zerstört werden. Einige von uns baden-württembergischen binationalen Paaren wurden schon gezwungen, in andere Bundesländer wie Hessen, NRW oder nach Hamburg zu ziehen, sozusagen in anderen Bundesländern Asyl zu nehmen, nur, um mit ihrem ausländischen Partner bzw. ihrer Partnerin weiter zusammenleben zu können.

Wer zu einem solchen Schritt aus beruflichen, finanziellen, familiären oder welchen Gründen auch immer nicht in der Lage ist, der soll nach dem Willen unserer Landesregierung und der von ihr gesteuerten Behörden das Nachsehen haben. Ein Skandal, wie wir finden, in einem Land, das sich gerne als besonders fortschrittlich darstellt.

In der ungesicherten und teilweise verzweifelten Situation, in der sich viele schwule und lesbische binationale Paare in Baden-Württemberg befinden, ist natürlich eine Gruppe wie unsere besonders wichtig, um sich auszutauschen, über Erfahrungen zu sprechen, Tips im Umgang mit den Behörden zu bekommen und sich über den augenblicklichen Stand der rechtlichen und politischen Situation zu informieren.

Wir sind aber noch ganz am Anfang, uns zu organisieren und ein tragfähiges Netzwerk von Freunden und Freundinnen im "Ländle" aufzubauen. Leider sind viele Paare so niedergeschlagen, daß sie denken, ein Engagement bringt doch sowieso nichts. Andere wurden von den Behörden eingeschüchtert und trauen sich nicht, ihre Geschichte öffentlich zu machen. Aber es gibt auch Leute bei uns, die unerschrocken und mit Phantasie und Engagement ihre und unser aller Anliegen auch gegenüber der Politik vortragen und in der Öffentlichkeit darstellen. Wir brauchen nichts dringender, als Leute mit Phantasie und Engagement, die neben dem Kampf um ihre binatsspezifischen Probleme noch Zeit und Kraft finden, um in unserer Gruppe aktiv mitzumachen.

Denn ganz sicher gibt es noch sehr viele Paare, die noch gar nicht wissen, daß es uns überhaupt gibt. Dabei haben wir vor allem damit zu kämpfen, daß Baden-Württemberg ein großes Flächenland ist mit weiten ländlichen Räumen und die Paare und Interessenten, die sich bis jetzt bei uns gemeldet haben, zum Teil große Entfernungen zurücklegen müssen, um zu unseren Treffen zu kommen.

TIP:

Gruppentreffen: jeden 2. Samstag im Monat, 19 Uhr:
Gaststätte "Weisses Rössel", Schwabstrasse 32, Stuttgart-West
E-Mail: BinatsBW@aol.com
Ansprechpartner: Andreas Brameier, Tel. (0 72 51) 30 44 50

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