Arbeitsgruppe 3:
Lesben und Schwule in der Polizei

Gruppenleitung: Wolfgang Blischke, Vorsitzender des Arbeitskreises lesbischer und schwuler Polizeibediensteter in NRW e.V. (AlsPol NRW e.V.)
Protokoll: Volker Streiter, Köln

Gruppenstruktur:
Anzahl: 19 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, davon 5 weiblich und 14 männlich

Funktionen und Aussagen bei der Vorstellungsrunde:

  • Psychologischer Dienst der Bereitschaftspolizei Sachsen
  • Lesben und Schwulen Verband Deutschland (LSVD)
  • Polizei Thüringen:"Es wird gemobbt"
  • Opferschutz Thüringen: " Kann ich bestätigen"
  • Polizei Hamburg: "In Hamburg gibt es fünf Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweise und man arbeitet an einem Antidiskriminierungsprogramm wie in Schleswig-Holstein"
  • Wasserschutzpolizei Schleswig Holstein: "Im Frauenministerium gibt es ein Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweise. Hier wird auch insbesondere die Polizei betreut, um Aus und Fortbildung zu betreiben. Ziel ist hier eine Zusammenarbeit mit Hamburg und Mecklenburg Vorpommern."
  • Öffentlichkeitsarbeit Polizei Mecklenburg Vorpommern: "Es passiert nichts in Meck.Pom. Der Umgang der Polizei mit der Thematik ist gehemmt bis ablehnend"
  • Seelsorge Mecklenburg Vorpommern: "Die Behörde reagiert eher zögerlich auf das Thema"
  • Fortbildung der Polizei in Sachsen Anhalt: "In jeder Direktion gibt es Ansprechpartner." (Anmerkung: "Direktion" steht für großflächige Behörden, ähnlich wie Regierungspräsidien.)
  • Innenministerium Sachsen Anhalt: "Die fünf Ansprechpartner sind eher ein Feigenblatt".
  • LKA NRW: "Von meiner Dienststelle wird das Infomobil gegen Antischwule Gewalt des LKA betreut."
  • EinsatzTrupp (ET) der Autobahnpolizei NRW: "Aufgrund bekannter Cruisingplätze auf Raststätten will ich mehr Infos über die Problematik."
  • Wachdienst Polizei NRW: "Vor meiner Wache wurde 1996 das Infomobil gegen Antischwule Gewalt des LKA eingeweiht."
  • Wachdienst Polizei NRW: "Die Kollegen sind mit Lästerungen unglaublich vorsichtig aus Angst was Falsches zu sagen."
  • Wachdienst Polizei NRW: "Nachdem ich geoutet bin, helfe ich mir bei Gerüchten und übler Nachrede mit einem offensiven Umgang."
  • Wachdienst Polizei NRW: "Als offene Lesbe habe ich mit unmittelbaren Kollegen keine Probleme. Die Führung bockt aber etwas. Ich bekomme keine Sonderaufgaben übertragen, kann mich nicht profilieren und werde kaltgestellt. Bei dem Vorgesetzten ist unklar, ob es sich um eine frauen- oder lesbenfeindliche Einstellung handelt."
  • Bereitschaftspolizei NRW: "Solange sich in meinem Bereich niemand outet, kann ich auch niemandem helfen."
  • Autobahnpolizei NRW: "Aufklärungsbedarf zum Thema Homosexualität besteht nach Innen, in die Polizei hinein. Die Teilnahme an dieser Tagung hat mir Häme eingebracht (hast du auch die Blechhose an?).
  • Journalist der TAZ Hamburg: "Auch im Journalistenbereich besteht zum Thema kein Interesse, es herrscht Ignoranz."

Fragestellungen:

  • Warum outen sich viele lesbische und schwule Kollegen nicht?
  • Was kann der Dienstherr/ die Gewerkschaft ändern, um das Outen zu ermöglichen?
  • Welche Anforderungen soll ein Ansprechpartner erfüllen?
     

Erarbeitete Ergebnisse:

  1. Warum outen sich viele lesbische und schwule Kollegen nicht?
    • Es besteht eine große Unsicherheit, wie die Reaktion der
    • Kollegenschaft ausfällt.
    • Es herrscht Angst, das hinter dem Rücken geredet wird.
    • Es herrscht Angst vor Diskriminierung der versteckten Art.
    • Man befürchtet einen Karrierehemmschuh.
  2. Was kann der Dienstherr/ die Gewerkschaft ändern, um das Outen zu ermöglichen?
    • Aufklärung durch Aus und Fortbildung und Infomaterial nach Innen, in die Polizei hinein mit den Schwerpunkten:
    • Sexualität ist mehr als das Genitale.
    • Wie entwickeln sich Gefühle und Sexualität?
    • Steigerung der Akzeptanz.
    • Verordnungen und Erlasse in Richtung Antidiskriminierung.
    • Realisierbar?
    • Sinn: Signalwirkung der Gesellschaft sowohl an die Lesben/Schwule als auch an die Ablehner solcher Lebensweisen.
    • Ein Erlass o.ä. muss mit anderen Maßnahmen (Aufklärung, Akzeptanzkampagne) flankiert werden, sonst läuft das ins Leere.
    • PR-Arbeit nach Innen:
    • Ansprechpartner, Initiativen (AlsPol etc.) unterstützen, indem z.B. bei den Hauspostillen der Behörden Platz für die Darstellung geschaffen wird.
    • Verdeckte Möglichkeit, Infomaterial zu beschaffen. Nicht jeder, den das Thema interessiert, möchte bei der Beschaffung von Adressen etc. gesehen werden.
    • Homofreundliche und frauenfreundliche Rekrutierung:
    • Ziel wäre hier 50/50.
    • Wurde kontrovers diskutiert.
    • Homosexualität als Auswahlkriterium?
    • Bewusstsein schaffen:
    • In die Polizeiführung (IM/ Behördenleiter/ Dienststellenleiter)
    • In die Basis hinein (mittels Dienstunterricht o.ä.).
    • Sensibilisierung der Kollegen bei Einsätzen in der Szene:
    • Vorher sollten die Kollegen bessere Informationen (Empfindlichkeiten/Lebensweise etc.) erhalten mit dem Ansprechpartner als Mittler
    • Verhaltenshinweise für Heteros:
    • Wie gehe ich mit gleichgeschlechtlichen Kolleginnen/Kollegen generell um?
    • Wie verhalte ich mich nach gerade erfolgtem Outen?
       

3. Welche Anforderungen soll ein Ansprechpartner erfüllen?

  • Freiwilligkeit
    • Kein Drängen ins Amt, weil dann die Gefahr von Desinteresse und mangelndem Zugang zur Bevölkerungsgruppe besteht.
  • Bekanntheitsgrad nach Innen und Außen.
    • Der Ansprechpartner muß überall bekannt sein. Nur wer den Ansprechpartner kennt, kann ihn oder sie in Anspruch nehmen.
  • Angesiedelt beim Behördenleiter.
    • Direkter, ungefilteter und ungehemmter Zugang zur Leitung.
    • Ist eine Angliederung an die Behördenleitung nicht möglich, dann ist eine Angliederung an die Kriminalvorbeugung wünschenswert.
  • Einfluß auf die Finanzen.
    • Eigener Topf, aus dem Mittel für Aktionen bezahlt werden können
  • Gleicher Status wie die "Sozialen Ansprechpartner" oder ähnliche soziale Dienste in den Bundesländern.
  • Rückendeckung der Führung.
    • ohne Unterstützung von oben, ohne Geld, Zeit, Räumlichkeiten, Material ist keine Arbeit möglich.
    • Anfeindungen behindern, zermürben und machen die Stelle wenig attraktiv.
  • Vorkenntnisse:
    • soll der Ansprechpartner lesbisch/schwul sein?
  • Vertrauensstatus:
    • Wichtig ist soziale Kompetenz und Engagement.
    • Stimmen diese, dann ist die sex. Orientierung unwichtiger.
    • Aber! Nur Lesben oder Schwule können glaubhaft die Lebenssach-verhalte vermitteln. Zu Heteros kommt keine Lesbe und kein Schwuler, um über Probleme zu sprechen. Das gilt insbesondere für die Lesben und Schwulen in der Polizei. Dies zeigen Erfahrungen bestehender Ansprechpartner.

Fazit: Am besten im Doppelpack:

Der heterosexuelle Ansprechpartner kann ohne Verteidigungshaltung informieren und glaubhaft für mehr Toleranz werben.
Der gleichgeschlechtliche Ansprechpartner ist geeigneter für die Lesben und die Schwulen.

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Balken
URL: http://www.lsvd.de/polizei/arbeitsg03.html
Letztes Update: 20. April 2000
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