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Das Referat gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil werde ich in Thesen die Problemsituation der schwul-/lesbischen PVB skizzieren und im zweiten Teil Handlungsmöglichkeiten, die zum Abbau von Diskriminierungen innerhalb der Polizei beitragen könnten, aufzeigen. Mein Referat stützt sich im wesentlichen auf die Erkenntnisse und Erfahrungen der schwulen und lesbischen KollegInnen und zwar im einzelnen auf:
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Thesen über die Berufssituation schwuler und lesbischer PVB1.) Was die Akzeptanz oder Diskriminierung von Homosexuellen am Arbeitsplatz betrifft, ist die Institution Polizei als Teil der Gesellschaft im Grundsatz nicht besser und nicht schlechter. Die Polizei ist zunächst Spiegelbild
der Gesellschaft. Die Werteentwicklungen und
Wertmaßstäbe in der Gesellschaft werden auch von
der Polizei absorbiert. 2.) Die herausgehobene Stellung der Polizei als wesentlicher Teil des staatlichen Gewaltmonopols als auch die (immer noch) männlich geprägte Arbeitswelt könnte eine gewisse Distanz/Ablehnung gegenüber Schwulen begründen und das Verhältnis der Polizei zur Homosexualität generell bestimmen. Die Institution Polizei kennt Homosexualität vornehmlich als Deliktsfeld. Das heißt im Rahmen der Kriminalitätsbekämpfung: als Opfer, Zeuge oder gar Täter. Diese berufliche Prägung hat im polizeilichen Bewusstsein zu wesentlichen Vorurteilen geführt sowie die Stigmatisierung der Homosexuellen, gerade der Schwulen, entsprechend gefördert. Zwei historische Belege:
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3.) Die weitverbreitete Meinung (innerhalb) der Polizei, es gibt nur wenige oder kaum homosexuelle PVB, ist wohl eher von Ignoranz und von der vorurteilsbeladenen Angst begleitet, bei gegenläufiger Situation in der Gesellschaft möglicherweise Akzeptanz, Respekt und vor allem Autorität zu verlieren. Es ist aber auch die Angst vor der Überforderung mit einer unbekannten Thematik die vordergründig als eine zutiefst Private gesehen wird. Polizeiliche Akzeptanz in der
Bevölkerung Autorität: Gibt es homosexuelle PVB?
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4.) Die herausgehobene gesellschaftliche Stellung der Polizei und die bisherige - Polizeikultur (Berufsethos, Hierarchie, Befehl und Gehorsam etc.) erschwerten homosexuellen PVB in der Polizei eine akzeptierte, gleichwertige und gleichberechtigte Teilhabe im Berufsleben mit zum Teil schwerwiegenden Folgen. Es erfolgt eine latente Tabuisierung des Themas "Homosexualität in der Polizei" und dadurch Unterdrückung homosexueller PVB. Im Rahmen dieser Arbeit wurde bekannt, dass wegen ihrer Homosexualität zwei Polizisten Suizid begangen und vier Polizistinnen und Polizisten gekündigt haben. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da nicht bei jedem Suizidfall oder Kündigung die tatsächliche Motivlage ermittelt werden. 5.) Die direkte und verfolgbare Diskriminierung von Homosexuellen in der Polizei ist eher die Ausnahme. Wenn sie allerdings vorkommt, sind die Auswirkungen für die Schwulen um so nachhaltiger. Die offene Diskriminierung reicht von
direkter Ablehnung durch Kollegen (Mit dem fahre ich
nicht mehr auf Streife) bis hin zu beleidigenden und
erniedrigenden Äußerungen bzw. Verhaltensweisen.
(s. These 4)
Des weiteren keine beruflichen
Perspektive mehr zu erhalten. |
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6.) Die Angst vor dem Entdeckt-Werden verursacht bei den homosexuellen Polizistinnen und Polizisten psychophysische Belastungen bis hin zu langfristigen Erkrankungen. Sie haben Angst vor der Offenbarung und vor jeder Frage, die den privat/familiären und/oder Intimbereich betreffen. Es ist die Angst nach einem Wochenende,
im Dienst über die Freizeitgestaltung zu berichten und
sich dabei zu "verraten" und es bedrückt, nicht
über einen Einkaufsbummel mit dem Partner oder dem
Discobesuch oder sonstigen Wochenenderlebnissen
erzählen zu können.
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7.) Ein bestehendes Vertrauensverhältnis zu Kollegen, das durch gegenseitige Akzeptanz und Respekt vor persönlichen und dienstlichen Leistungen geprägt ist, fördert die Basis für schwule PVB, sich heterosexuellen Kollegen zu öffnen. Die Abwehrhaltung heterosexueller Kollegen gegenüber Schwulen ist auch darin zu sehen, dass sie vorurteilsbezogen - meinen, sich im Einsatzfall nicht auf den schwulen Kollegen verlassen zu können, also nicht das nötige Vertrauen in ihn haben (Vorurteil: Ein Schwuler kann nicht seinen Mann stehen). Wenn der verdeckt lebende schwule PVB bei seinen Kollegen als PVB und Kollege akzeptiert und anerkannt ist, hat er es leichter, sich zu outen. Bis auf wenige Ausnahmen, konnten sich die meisten Teilnehmer der Erhebung ein Outen auf der Dienststelle vorstellen bzw. hatten sich bereits einzelnen Kollegen anvertraut oder gänzlich auf der Dienststelle geoutet 8.) Je weniger heterosexuelle PVB über Homosexualität wissen und je weniger Informationen sie über die Entwicklung der sexuellen Orientierung sowie die verschiedenen Diskriminierungsformen haben, desto stärker bilden sich Vorurteile und: Diskriminierung ist keine Generationsfrage. Die Aussage spricht für sich. Wenn
ich Kollegen von meiner Seminararbeit berichte, sind die
Reaktionen oftmals die gleichen: Entweder es erfolgt ein
prüfender Blick bzw. es folgt die stereotypische Frage:
"Du hast ja Mut - oder hast Du keine Angst in die schwule
Ecke gestellt zu werden?". Meistens kommt auch
unaufgefordert die bekannte Abwehrhaltung "Solange er mich
in Ruhe lässt, habe ich nichts gegen Schwule", um
nachdrücklich keine Unklarheiten über die
heterosexuelle Präferenz entstehen zu lassen. Bei
Dienststellenleitern oder Beamten des höheren Dienstes
sind solche Reaktionen bereits sehr selten. |
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Zur Generationsfrage: Die Umfrage zeigt gerade bei den männlichen Beamten eine deutliche Distanzierung und Ablehnung, der Nährboden für mögliches diskriminierendes Verhalten. Während man bei den älteren Kollegen ihre innere Abwehrhaltung wegen der jahrzehntelangen Kriminalisierung der Homosexuellen (§ 175) entschuldigen kann, fällt diese Begründung bei den Jüngeren weg. = Gesellschaftliches Wertesystem/Bild v. der Polizei? Signifikant ist die Erkenntnis, dass es fast ausschließlich Männer sind, die Homosexuelle diskriminieren. (Homophobie?) Vorschläge für mögliche Problemlösungs- und Handlungsansätze vor dem Hintergrund der FürsorgepflichtDie Vorurteile in der Polizei (s. These
8) und die Schwerfälligkeit sowie Zurückhaltung
der Institution, sich des Themas anzunehmen, haben sich seit
meiner Seminararbeit und dem Engagement vieler Initiativen
in den Ländern noch nicht wesentlich
verändert. |
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Problemlösungsansätze aus Sicht der schwulen und lesbischen PVB: Von der Polizeiführung und dem Dienstherrn (allg. Ziele): die gleiche Fürsorge und den Rückhalt, wie sie allen anderen Beschäftigten und Minderheiten (Behinderte, Alkoholiker, Partnerschaftsprobleme pp.) gewährt werden, nicht mehr und nicht weniger
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Vorschläge zum Abbau von Diskriminierungen
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URL: http://www.lsvd.de/polizei/poizei.html Letztes Update: 20. April 2000 home |