<< More than a "holiday romance" ^ zur Übersicht ^ Ende gut, alles gut!?! >>

Heimat ist dort, wo die Liebste ist

Dieses Portrait müssen wir aus berechtigten Schutzinteressen des Paares anonym abdrucken. Namen und Orte wurden geändert, die Geschichte ist Realität.

Wir kommen aus Berlin und St. Petersburg und haben uns zu Schulzeiten bei einem Nachtreffen aus Anlaß einer Fahrt nach Auschwitz kennengelernt – eine Zufallsbegegnung (?) weit entfernt von jeder Szene. Eine von uns ist mit 14 emigrierte Jüdin, vom Paß her sind wir jetzt beide "Deutsch", haben also keine Probleme mit den Ausländerbehörden. Deutschland wird unsere "Heimat" bleiben, obwohl auch längere Aufenthalte in den GUS-Ländern denkbar sind. Für ein richtiges "zu Hause" bei Familienanlässen und Feiertagen sorgt Antjes Mutter.

Antjes Coming out kam für Marina sehr überraschend, sie wurde neugierig, und es entwickelte sich ein Briefkontakt, der immer enger wurde. Ein kurzes Liebesglück, das aber sehr schnell wieder zerbrach, denn eine lesbische Beziehung war für Marina damals noch gar nicht denkbar und auch ihrer Familie nicht zumutbar.

Erst nach zwei Jahren Schweigen trafen wir uns wieder. Wir beschlossen, es noch einmal miteinander zu versuchen. Und dieser "Versuch" läuft seit 2 Jahren recht erfolgreich.

Wir definieren uns nicht als ein binationales, sondern ein bikulturelles Paar. Entgegen den Vorstellungen vieler deutscher Freunde sind dabei die deutsch-jüdischen Probleme eher die geringeren. Vielleicht fiele es Marinas Mutter ja leichter, eine Lebensgefährtin ihrer Tochter zu akzeptieren, wenn diese "wenigstens" Jüdin wäre, und vielleicht wäre die nichtsahnende "Restfamilie" grundsätzlich freundlicher? Aber da sind wir doch nicht so ganz sicher???

Problematisch ist eher die Zweisprachigkeit, die Tatsache, daß Antje kein Russisch spricht und sich bei Besuchen in Marinas alter Heimat oder bei Treffen mit ihren alten Freunden ausgeschlossen fühlt. Daß Marina sich in beiden, Antje aber "nur" in einer Kultur zu Hause fühlt, ist ein spannungsreiches Ungleichgewicht.

Da hilft schon sehr die Selbstverständlichkeit, mit der Antjes Mutter ihre "Schwiegertochter" akzeptiert und uns beiden den "Familienanschluß" ermöglicht.

Heute stehen wir kurz vor dem Abschluß eines Medizin- und eines Islamwissenschaftsstudiums und hoffen sehr, daß wir dann zusammenziehen können.

<< More than a "holiday romance" ^ zur Übersicht ^ Ende gut, alles gut!?! >>