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Ende gut – alles gut !?!

Wilfredo, Caracas/Venezuela & Marc, Wuppertal, erzählen ihre Geschichte

Nach Abschluß seines Studiums in Venezuela hatte Wilfredo einen Aufenthalt in Deutschland geplant. Sein Heimatland ist ein beliebtes Ziel für deutsche Touristen: Sowohl deutsche Sprachkenntnisse als auch ein deutsches Zusatzstudium sind entscheidende Qualifikationsmerkmale auf dem Arbeitsmarkt dort. Er wählte die Bergische Universität Gesamthochschule Wuppertal, weil eine befreundete Familie aus Remscheid, die er bereits aus Venezuela kannte, ihm Hilfe angeboten hatte.

Im Herbst 1996, bereits während seines Deutsch-Vorbereitungskurses für die Uni, lernten wir uns kennen und lieben. Seit dem 16. Februar 1997 führen wir eine feste Beziehung. Im Sommer 1997 faßten wir endgültig den Entschluß, eine gemeinsame Wohnung zu mieten. Seit Anfang 1998 wohnen wir zusammen, leben und gestalten unsere Partnerschaft gemeinsam. Unsere Lebensgemeinschaft ist auf Dauer angelegt, wir wollen in Zukunft angstfrei zusammenleben, füreinander da sein in "guten und in schlechten Zeiten", uns gegenseitig helfen und unterstützen und unsere Liebe in Frieden und Freiheit leben. Wäre uns der Weg zum Standesamt nicht immer noch versagt, hätten wir diesen schon längst beschritten.

Ständiger Begleiter unserer Partnerschaft war unsere Angst vor dem Ende von Wilfredos Studium und der damit verbunden Auflösung der Aufenthaltsbewilligung zum Zwecke des Studiums. Ausländische Studentinnen und Studenten erhalten eine sogenannte "Aufenthaltsbewilligung". Diese ist auf die Zeit des Studiums beschränkt und endet spätestens nach zehn Jahren. Danach müssen sie das Land für mindestens ein Jahr verlassen (!) – es sei denn, sie heiraten!

Ein angstfreies Leben unserer Partnerschaft wäre in Venezuela undenkbar. Abgesehen davon, daß dem deutschen Partner oder der deutschen Partnerin keine legale Aufenthaltsgenehmigung erteilt würde, ist auch Homosexualität gesellschaftlich derart geächtet, daß der Gedanke an ein gemeinsames und friedliches Leben dort in Venezuela geradezu utopisch wäre.

Nach der Bundestagswahl hatten wir auf die versprochene schnelle Lösung unserer Probleme gehofft. Auf die warten wir aber immer noch.

Aufgrund unserer kritischen Situation und der unsicheren politischen Lage entschlossen wir uns, die Wuppertaler Ausländerbehörde direkt anzusprechen mit der Bitte, Wilfredos "Aufenthaltsbewilligung" aus humanitären Gründen (§30 AuslG) in eine "Aufenthaltsbefugnis" zum Führen einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft umzuwandeln. Dieser Schritt war sehr riskant, denn damit haben wir uns der "Gnade" eines einzigen Beamten bei der Ausländerbehörde ausgeliefert. Der Beamte konnte zustimmen - wie es z. B. in Hamburg üblich ist (!) - oder er konnte ablehnen und Wilfredos Studium als "erschlichene" Aufenthaltsmöglichkeit (= Mißbrauch !) bezeichnen - wie es in vielen Regionen Deutschlands immer noch geltende Praxis ist. Damit wäre Wilfredo sogar die begrenzte Aufenthaltsbewilligung entzogen worden. Hier bei uns in Nordrhein-Westfalen herrscht Rechtsunsicherheit auf diesem Gebiet und dadurch sind die Betroffenen dann auch der Willkür der zuständigen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter in den Ausländerbehörden ausgesetzt. Denn der Erlaß des vormaligen Innenministers in NRW, Kniola, hat für die Lösung dieser Probleme keine Hinweise und Empfehlungen gegeben, die für die beteiligten Ausländerbehörden bindend wären, was sehr nachteilig ist!

Wilfredo hat die Aufenthaltsbefugnis nun bekommen. Die Zeit des Wartens war eine ernsthafte Zerreißprobe für unsere Beziehung. Unsere nächste Auseinandersetzung wird nun mit dem Arbeitsamt zu führen sein, denn Wilfredo wurde die Erwerbstätigkeit nur eingeschränkt zugestanden. Wer hier leben darf, darf noch lange nicht arbeiten. Es sei denn, er ist mit einem Deutschen verheiratet. Aber heiraten dürfen wir ja nun nicht !!!

Wir möchten uns ganz besonders bei den Freundinnen und Freunden im LSVD sowie im Landtag NRW für ihre unbezahlbare Hilfe bedanken. Vor allem aber bedanken wir uns bei dem zuständigen Sachbearbeiter der Ausländerbehörde, der in Ausübung seiner Pflicht das Gesetz im Sinne der Betroffenen angewandt hat, und durch dessen Entscheidung unsere Zukunft endlich auf ein festes und solides Fundament gestellt wurde.

Nun können wir gelassen daran gehen und unsere gemeinsame Zukunft in Wuppertal planen. Jetzt hoffen wir natürlich noch darauf, daß Wilfredo einen Arbeitsplatz findet und dafür dann auch eine Arbeitsgenehmigung bekommt.

Wir wollen unseren Binats-Freunden in NRW und überall in Deutschland Mut machen mit unserer Geschichte. Es gibt sie doch, die menschlichen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter in den Ausländerbehörden.

Ihr sollt am "Ball bleiben", um Eure Rechte kämpfen. Die Binats-Gruppen überall in Deutschland helfen Euch dabei mit Rat, Solidarität und Freundschaft.

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