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Die Geschichte von Karl und Joe

Zehn Jahre warten und hoffen auf ein gemeinsames Leben

Karl lernte seinen Freund Joe aus einem fernöstlichen Land während dessen Urlaub in Deutschland schon im Jahre 1988 kennen und lieben. Zu dieser Zeit war die Verlängerung von Touristenvisa in Deutschland noch leichter möglich, so daß sie hier zunächst – mit einer kleineren Unterbrechung durch Ausreise – mehrere Monate zusammen leben konnten. Weitere Anträge auf ein Touristenvisum wurden jedoch ohne Angabe von Gründen verweigert, so daß Joe keine Möglichkeit mehr bekam, Karl zu besuchen. Dieser reiste in den Semesterferien und später in seinem Urlaub regelmäßig zu Joe, um wenigstens im Heimatland von Joe für eine begrenzte Zeit zusammensein zu können. Selbst persönliche Vorsprachen und schriftliche Bitten von Karl in der deutschen Botschaft hatten keinen Erfolg, ein Visum für Joe zu bekommen. Erst 1997 gelang es, durch ein Visum für ein anderes europäisches Land einen Aufenthalt in Deutschland wieder für vier Monate möglich zu machen. Gemeinsam versuchten die beiden Partner in dieser Zeit Möglichkeiten zu finden, um für Joe eine längerfristige Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Selbst mit Unterstützung eines Rechtsanwalts war dies nicht von Erfolg gekrönt. Ins Heimatland zurückgekehrt wurden Joe weitere Besuchsvisa regelmäßig verweigert.

Da Joe mittlerweile Berufserfahrungen als Koch gesammelt hatte, wurde dann ein Antrag auf Aufenthaltserlaubnis zur Arbeit als Spezialitätenkoch gestellt, dessen Bearbeitung sich über mehrere Monate hinzog. Nachdem im Mai 1998 das Hessische Ministerium des Inneren einen Erlaß zur aufenthaltsrechtlichen Berücksichtigung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften veröffentlichte, stellten die Partner aufgrund dieser Möglichkeit, die auch dem eigentlichen Aufenthaltszweck entsprach, einen neuen Antrag, was neue Hoffnung aufbaute. Allerdings wurde durch einen Fehler des beauftragten Anwalts der Antrag extrem lange verzögert, so daß die dadurch verursachte erneute Wartezeit von mehreren Monaten eine fast nicht auszuhaltende Belastung des Paares darstellte. Ständige Vertröstungen der beteiligten Behörden, Unklarheiten der Zuständigkeiten zweier beteiligter Ausländerbehörden, falsche Angaben des Anwalts über den Fortgang des Verfahrens zur Beschwichtigung von Karl und angeblich verlorene Unterlagen zehrten an den Nerven. Fast täglich telefonierten die beiden stundenlang in der Nacht und gerieten oft in Streit. Joe verlor das Vertrauen, ob Karl überhaupt den Antrag gestellt hat oder ihn nur noch belüge? Die Telefonrechnungen beliefen sich in dieser Zeit auf mehrere tausend Mark pro Monat, was Karl finanziell kaum mehr verkraften konnte. Joe flüchtete in den Alkohol und auch Karl war aufgrund des Schlafdefizits gesundheitlich schwer angeschlagen. Nur das Engagement in der und die Unterstützung durch die Binats-Gruppe Frankfurt gaben Karl die Kraft, diesen zermürbenden Prozeß durchzustehen.

Im Mai 1999 waren dann aber alle Hürden überwunden, so daß es grünes Licht für die Einreise von Joe gab, der kaum noch daran glaubte. Karl reiste zu ihm und wollte ihn persönlich abholen, aufgrund weiterer Verzögerungen bei der Visaerteilung (Gesundheitszeugnis, mehrere Rückfragen der Botschaft bei den deutschen Behörden etc.) mußte Karl zunächst alleine wieder nach Deutschland fliegen, Joe konnte aber nach einigen Tagen nachkommen. Mittlerweile leben die zwei glücklich zusammen. Joe besucht einen Deutschkurs und möchte am liebsten die nächsten Jahre nicht mehr zurück in sein Heimatland, da er das Risiko fürchtet, es könne etwas schief gehen und man könne ihn dann nicht mehr nach Deutschland einreisen lassen. Eine Arbeitserlaubnis für Joe ist noch nicht erteilt, so daß er finanziell ganz von Karl abhängig ist. Aber die Schulden sind bald abgebaut, so daß ein normales Leben in Kürze hoffentlich möglich ist. Ohne den relativ guten Verdienst von Karl wäre diese Zeit des Wartens mit den hohen Reisekosten für die häufigen Besuche und den Telefonkosten sowieso nicht durchzustehen gewesen.

Die Geschichte von Karl und Joe zeigt, daß das Vorurteil über homosexuelle Partnerschaften, sie seien kurzlebig und nicht belastbar, ad absurdum geführt werden kann und daß eine Partnerschaft auch über mehrere Jahre hinweg Bestand hat. Hier ging die Belastung aber fast an die Grenze der Zumutbarkeit, konnte "in letzter Minute" jedoch noch zu einem positiven Ausgang gebracht werden.

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