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Hauptamtliche Binats-Arbeit:
Stelle zum Aufbau eines psychosozialen Beratungsnetzes eingerichtet.

von Judith Opitz. B.nats-Projektleiterin im LSVD

Im November 1999 wurde vom LSVD-Sozialwerk eine neue halbe Stelle eingerichtet, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für drei Jahre finanziert wird. Die Zielvorgabe ist der Aufbau eines psychosozialen Beratungsnetzes für binationale gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland. Binationale gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind vielfältigen Belastungen ausgesetzt, nicht nur durch die überaus schwierige rechtliche Situation, auch emotional sind enorme Zerreißproben von ihnen durchzustehen. Hier seien nur einige typische Beispiele genannt:

Häufig muß das Paar mit langen Trennungszeiten fertig werden, da die Aufenthaltsgenehmigung des ausländischen Partners, der ausländischen Partnerin, langen Behördenwegen unterliegt. Dies macht vielen heftig Angst davor, daß sie einander über die lange Zeit doch verlieren. Ist die Aufenthaltsgenehmigung erreicht, muß der deutsche Partner, die deutsche Partnerin für den Lebensunterhalt des Paares alleine aufkommen, da im allgemeinen erst einmal keine Arbeitserlaubnis für die ausländische Partnerin, den ausländischen Partner erteilt wird; sie oder er gerät damit in eine manchmal kaum zu ertragende Abhängigkeit, was mit starken Minderwertigkeitsgefühlen einher gehen kann. Gerät die deutsche Partnerin, der deutsche Partner in finanzielle Schwierigkeiten z. B. durch Arbeitslosigkeit, droht dem Paar Trennung durch Ausweisung des ausländischen Partners, der ausländischen Partnerin; hier sind starke Ängste von beiden auszuhalten. Ohnehin muß die ausländische Partnerin, der ausländische Partner sich in einer für ihn oder sie völlig fremden Kultur und Mentalität einleben, was zu heftigen Identitätskonflikten führen kann. Beide müssen als Paar häufig große kulturelle Unterschiede überbrücken, die zu Mißverständnissen und auch zu wechselseitigem Unverständnis führen können, oft sind unterschiedliche religiöse Hintergründe Ursache für ungeahnte Spannungen in der Beziehung.

Bei all diesen Problemen stehen gleichgeschlechtliche binationale Paare aber nicht allein: Die bestehenden Selbsthilfegruppen und die daraus erwachsenen, ehrenamtlichen Berater und Beraterinnen können Ratsuchende mit rechtlichen und formalen Aspekten vertraut machen und sie an erfahrene Fachanwälte für Ausländerrecht verweisen. Mit einer kompetenten oder sogar professionellen psychosozialen Beratung sind sie aber sowohl zeitlich als auch fachlich überfordert.

Hier soll die neu geschaffene Stelle greifen. Sie hat die Aufgabe sowohl psychosoziale Beratungen in Binats-Gruppen anzubieten, als auch ehrenamtliche Berater und Beraterinnen in Gesprächsführungs- und Beratungstechniken zu schulen und weiterzubilden.

Judith Opitz ist 39 Jahre und lebt seit 20 Jahren offen lesbisch. Von Beruf ist sie Diplom-Psychologin und hat vielfältige Erfahrungen in Beratung/Therapie, Supervision und Erwachsenenbildung.

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